French Fried Cinema: Tribut an Jean Louis Van Belle
„Kino ist mein Leben, und das Leben ist Freude.“ JLVB
Grosszügig, einfallsreich, verrückt, leidenschaftlich, vor allem aber menschlich. So wird Jean Louis von den Leuten, mit denen er gearbeitet hat in den höchsten Tönen gelobt. Seine Karriere ist ungewöhnlicher kaum vorstellbar und seine Persönlichkeit wird ebenso durch sein altruistisches Temperament, wie durch seinen rebellischen Charakter bestimmt.
Als junger Waise ist er angetan von der Natur und sucht sich Beschäftigungen auf dem Land; schlüpft erst in die Schuhe eines Hirten und hilft dann auf einem Bauernhof aus. Dabei hat er reichlich Gelegenheit, die Seele baumeln zu lassen und sich über die menschliche Natur Gedanken zu machen, bevor er schliesslich nach Paris aufbricht, wo er die verschiedensten Berufe annimmt: Zugangestellter, Elektriker, Fotograf, Animateur im Club Med und Theaterschauspieler. Der ungewöhnliche Rebell wird besonders vom Nachtleben des Paris der 60er Jahre angezogen und ist bald vollständig in die Szene integriert. So werden Künstler, Transvestiten und andere Vertreter gesellschaftlicher Randgruppen zu seinen täglichen Begleitern und zu seiner Hauptinspiration.
Van Belles filmische Karriere startet 1961 mit einer kleinen Rolle in Roger Leenhards Film Le Rendez-vous de minuit. Als er merkt, dass er eigentlich mehr an der Regie interessiert ist, bildet er sich selber weiter und sammelt wichtige Erfahrungen mit einigen Scopitonen und institutionellen Filmen. 1965 assistiert er Edouard Logereau für seinen Mondo-Film Paris secret, für den seine Kenntnis der Pariser Underground-Szene fundamental ist. Drei Jahre später arbeitet er noch einmal für Logereau bei den Dreharbeiten von La Louve solitaire. Gleichzeitig dreht er mehrere Kurzfilme, nimmt an den politischen Protesten von 1968 teil und dreht im folgenden Jahr seinen ersten Langspielfilm Paris interdit. Mit seinen erotischen Thrillern, Komödien und Horrorfilmen versucht er sich in verschiedensten Genres, ohne je ein grosses Budget zur Verfügung zu haben. Die Atmosphäre bei den Dreharbeiten ist familiär, der Teamgeist und Erfindungsreichtum sind wichtig: Techniker übernehmen oft kleinere Rollen, und Szenen werden selten zweimal gedreht, um an Material zu sparen. Das Resultat ist wunderbar dadaistisches Kino – ein wenig wackelig zwar, aber zweifellos lustig und ikonoklastisch.

