Michael Snow: Ein Kino der Weite
Michael Snows Filme bewegen sich in einem Rahmen, dessen Grenzen im Zuge des Erlebens fortwährend neu definiert werden. Angepasst an einen spezifischen Kontext, überwinden die Strukturen den reinen Automatismus technischer Geräte wie Kamera und Tonbandgerät, um die Vielschichtigkeit verschiedener Bewusstseinsebenen aufzuzeigen.
Während der auf dem belgischen Festival Knokke-le-Zoute an Wavelength verliehene Preis zur Annerkennung von Michael Snows Kino beitrug, veröffentlicht P. Adams Sitney, Theoretiker des New American Cinema, im Sommer 1969 seine weichenstellende Arbeit zum “Strukturellen Film” in der 47. Ausgabe von Film Culture. Er brachte verschiedene filmische Werke von Autoren wie Tony Conrad, George Landow, Michael Snow, Joyce Wieland, Ernie Gehr und Paul Sharits in einen gemeinsamen Kontext, wobei die Struktur immer als zentral für die durch den Film hervorgerufenen Erfahrung angesehen wird. Als Antwort darauf, wirft George Maciunas im Dezember die Frage nach der grundlegenden Definierbarkeit von “Struktur” auf, eine Definition die für ihn eng mit der räumlichen Aufteilung verbunden sein müsste. Seine in Tabellenform gegebene Antwort konfrontiert die Praxis eines durch Kategorien geprägten Denkens, mit einem eher von der spezifischen Erfahrung mit einem Werk herrührenden Ansatz. In einem zweiten Text spezifiziert Sitney die Natur der filmischen Sprache von Konfiguration, in der sich die Struktur und die Form durch einen festgesetzten Ansatz der Montage unterscheiden. Obwohl dieses nach Verbindung der Formen suchende Kino lokalisierte und zeitlich ausgedehnte Einstellungen gleichermassen existieren lässt, tendieren die Filme des Strukturalismus mehr zur Expansion als zur Kompression. Das Spektrum der sinnlichen Wahrnehmung wird durch das simultane Auftreten eines Ereignisses, der Kamerabewegung und die multiple Tonspur vergrössert.
Für dieses Programm gilt es die Unterscheidung von Inhalt und Form zu überwinden, die der Berücksichtigung von politischen und sozialen Aspekten entgegensteht, um sich auf die Möglichkeiten neuer filmischer Arrangements und unterschiedlicher kultureller Modelle zu konzentrieren, durch die ein Werk verstanden werden kann.


