GOL vereitelt Walfang
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Walfang
Cinémémoire ist ein Filminstitut für Familien- und Amateurfilme, das Super 8, 8mm, 16 mm und 9,5mm Filme sammelt, digitalisiert und archiviert. Dieser Fundus an filmischem Rohmaterial bildet einen gemeinsamen audiovisuellen Speicher von speziellen Erinnerungen und schattenhaften Bildern. Auf diesem Wege wurden einige aussergewöhnliche Filme wieder belebt. Darunter auch ein Film, den 2007 ein kalifornischer Anthropologe an Cinémémoire weitergereicht hat. Ursprünglich hatte er dessen Onkel gehört, der für die Vereinigten Nationen arbeitete und das Medium Film nutzte, um seine Konferenzen zur weltweiten See-Wirtschaft zu illustrieren.
Der besagte Film zeigt eine japanische Wal-Jagd in der Antarktis: Gegen hundert Männer auf rund dreissig Schiffen feiern ihre Linientaufe, segeln zwischen Eisbergen, harpunieren, schneiden, kochen, frieren und bringen Tonnen an Walfleisch ans Land. In den Bildern mischt sich das blau des Ozeans mit dem tiefen rot des Blutes; wüstenartige Landschaften wechseln sich ab mit Stimmungen, die bald organisch, bald mechanisch erscheinen. „Die Körnung der Fotografie und die Farben sind bereits Musik. Man muss ihnen lediglich den Abdruck des Willens hinzufügen.“ GOL bemüht sich, die übersinnliche Dimension dieser Expedition ins Licht zu rücken indem sie Töne hinzufügen und die Ebenen miteinander vermischen.
Das GOL Ensemble wurde 1988 von Jean-Marcel Busson, Frederic Rebotier, Xavier Roux und Samon Takahashi in Paris gegründet. Nach zahlreichen Konzerten und einer Langspielplatte, Gol 1 (1993), pausierte die Gruppe für fast zehn Jahre. Ab 2002 treffen sie sich wieder gelegentlich im Tonstudio und auf der Bühne. GOL benutzt Flöten, Hörner, Gitarren, Geigen, Spielzeuge, selbst gebastelte Instrumente, Tonbänder, Plattenteller, Stimme, verschiedenste Perkussionsinstrumente und Elektronik. Die Musik - an der Akustik orientiert, aber ausserordentlich elektrionsch - ist ganz und gar improvisiert und erinnert an die gewaltsame Unbewegtheit eines Sommertages auf dem Land. Es fällt einen schwer, diese Musik zu beschreiben. Die Definitionen, die ihr am ehesten gerecht werden, sind wohl ‘corporate mambo’, ‘hard cool heavy lethal’, ‘psychedelic disco’, ‘electroacoustic flask’ oder ‘tropical experimentalism’.
Projection(s)
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Le Romandie 21 Okt 2010 20:30



